Bakterien vs. Viren – was ist was?

Ein Kratzen im Hals, die Nase ist dicht. Wir fühlen uns schlapp. Gerade in der kalten Jahreszeit erwischen uns Erkältungen besonders häufig. Ein Besuch beim Arzt bescheinigt uns dann häufig einen viralen Infekt. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen Viren und Bakterien? Und sind alle Erreger schädlich?

Bakterien sind größer als Viren

Eines steht fest: Sowohl Viren als auch Bakterien können uns krank machen. Doch sonst haben die mikroskopisch kleinen Erreger wenig gemeinsam. Schon die Größe unterscheidet sich deutlich. Auch wenn wir sie mit dem bloßen Auge beide nicht sehen können, sind Bakterien um ein Vielfaches größer als Viren. Sie können einen Durchmesser von bis zu einem Mikrometer erreichen, während die winzigen Viren nur zwischen 20 und 300 Nanometer messen.

Damit sind sie so klein, dass sie sogar in der Luft, die von Infizierten ausgeatmet wird, enthalten sein können. Viren fliegen aber nicht einfach einzeln herum, sondern sind dort in Mini-Tröpfchen, sogenannten Aerosolen versammelt. Bis zu 50.000 solcher Tröpfchen können in einem einzigen Atemzug enthalten sein.

Tot oder lebendig: Sind Bakterien und Viren Lebewesen?

Bakterien und Viren sind in ihrem Aufbau grundverschieden. Während Bakterien einzellige Lebewesen sind, die eine Zellwand und innere Zellstrukturen besitzen, sind Viren recht einfach strukturiert. Sie bestehen lediglich aus einer Eiweißhülle, die ihr Erbgut (die DNA oder RNA) umgibt. Viren haben außerdem keine eigene Stoffwechselaktivität. Um überleben zu können, sind sie auf fremde Hilfe in Form einer Wirtszelle (z.B. weiße oder rote Blutkörperchen) angewiesen. Somit sind Viren strenggenommen keine Lebewesen. Bakterien hingegen kommen gut allein zurecht, denn sie produzieren in ihrer Zelle alles, was sie zum Leben brauchen. 

Wie vermehren sich Bakterien und Viren und warum werden wir krank?

Bakterien vermehren sich, wie menschliche Zellen auch, durch Zellteilung. Dabei kopieren sie ihr Erbgut und schnüren sich in der Mitte durch. Bakterien klonen sich also gewissermaßen selbst, ohne dabei andere Zellen zu schaden. Viren hingegen schleusen ihr Erbgut heimtückisch in unsere Zellen ein. Dabei programmieren sie die Wirtszellen zu Virusfabriken um, die die Herstellung neuer Viren übernehmen.

Die eigentliche Funktion der Zelle geht dabei verloren. Sind ausreichend Viren produziert, stirbt die Zelle ab und die freigesetzten Erreger begeben sich auf die Suche nach neuen Wirtszellen. Viren machen uns also krank, indem sie unsere eigenen Zellen zerstören. Bakterien dagegen sorgen durch die Produktion von schädlichen Stoffwechselprodukten für das Auftreten von Krankheitssymptomen. Für beide gilt: Solange wir erkrankt sind- und zum Teil auch noch einige Zeit danach- scheiden wir die Erreger über Sekrete (Aerosole o.ä.), Blut oder Stuhl aus und können somit andere anstecken.

Bakterielle oder virale Infektion? Welcher Infekt hat mich erwischt?

Eindeutig lässt sich die Frage meist nur anhand einer Blut-, Urin- oder Stuhlprobe bzw. mittels eines Abstriches klären. Allerdings gibt es ein paar Orientierungsmöglichkeiten, anhand derer wir abschätzen können, welcher Erreger einer Infektion zugrunde liegt. Eine bakterielle Infektion äußert sich beispielsweise häufig durch hohes Fieber oder Schmerzen einer bestimmten Körperregion. Virusbedingte Erkrankungen verursachen oft „lediglich“ eine erhöhte Temperatur oder leichtes Fieber sowie ein allgemeines Krankheitsempfinden.

Diese Kriterien gelten jedoch längst nicht für alle Bakterien und Viren. Beide Erreger können sowohl örtlich-begrenzte (lokale) als auch den ganzen Körper betreffende (generalisierte) Infektionen unterschiedlichen Schweregrades hervorrufen. Neben harmlosen Erkrankungen wie einer banalen Erkältung oder Lippenherpes, können Viren ernsthafte Infektionen wie HIV/AIDS oder Hepatitis (Leberentzündung) auslösen.

Auch die klassischen Kinderkrankheiten Windpocken, Masern und Röteln gehören zu den Virusinfekten. Scharlach, Keuchhusten, Tuberkulose und Harnwegsinfekte haben dagegen einen bakteriellen Ursprung. Auch bei Lebensmittelvergiftungen spielen Bakterien (z.B. Salmonellen) eine Rolle. 

Antibiotika – nur bei Bakterien wirksam

Wenn uns eine Blasenentzündung oder andere bakterielle Erkrankung plagt, können Antibiotika helfen. Sie unterstützen unsere körpereigene Abwehr, indem sie die Bakterien abtöten oder ihre Vermehrung bzw. ihr Wachstum hemmen. Dazu greifen sie entweder die Zellwand des Bakteriums an oder stören den Stoffwechsel der Erreger. Sogenannte Schmalspektrum-Antibiotika gehen dabei gezielt gegen einen bestimmten Erreger vor, während Breitband-Antibiotika unterschiedlichsten Bakterienarten zu Leibe rücken. Leider können sich manche Bakterien auf die „Störungen“ durch Antibiotika einstellen und Resistenzen (Widerstandsfähigkeiten) entwickeln. Die Medikamente wirken dann nicht mehr, so dass die Behandlung der bakteriellen Erkrankung erschwert wird.

Außerhalb des menschlichen Körpers sind hohe Temperaturen oder chemische Substanzen wie Alkohol und Chlor gegen Bakterien wirksam. Daher werden sie z.B. im Rahmen der Desinfektion eingesetzt. Bei Viren wirkt jedoch nicht jedes Desinfektionsmittel, sondern nur solche, die als „viruzid“ oder „begrenzt viruzid“ gekennzeichnet sind.

Bakterien Viren was ist was

Auch die medikamentöse Bekämpfung von Viren ist komplizierter als bei Bakterien, denn Antibiotika sind aufgrund der fehlenden Zellstrukturen bei Viren wirkungslos. Gegen einzelne Virusarten werden zum Teil sogenannte Virostatika eingesetzt; das sind antivirale Medikamente, die die Vermehrung der Viren hemmen oder die Hülle bzw. das Erbgut zerstören. Ein Nachteil dieser Arzneimittel ist jedoch, dass sie auch Zellen des menschlichen Körpers schädigen können. Glücklicherweise gibt es aber heute gegen einige Viren, die schwere Erkrankungen auslösen, wirksame Impfungen.
 
Außerdem können wir gegen verschiedene Viren immun werden, wenn wir die Infektion einmal erfolgreich überstanden haben. Allerdings sind manche Viren, darunter auch Grippeviren, wahre Überlebenskünstler. Sie wandeln sich ständig, so dass unser Immunsystem sie nicht wiedererkennen kann und immer wieder neue Antikörper bilden muss. Auf diese Weise sind sie der körpereigenen Abwehr immer einen kleinen Schritt voraus. Aufgrund der Wandlungsfähigkeit des Influenzavirus muss auch der Grippeimpfstoff immer wieder angepasst und die Impfung jährlich wiederholt werden. 

Nicht alle sind böse – warum wir Bakterien zum überleben brauchen

Auch wenn Bakterien und Viren meist als lästiges Übel wahrgenommen werden, sind viele eigentlich harmlos oder machen nur dann krank, wenn unser Immunsystem angeschlagen ist. Bakterien sind sogar sehr nützliche Mitbewohner des Menschen, ohne die wir nicht existieren könnten. Unsere Haut zum Beispiel wäre ohne Bakterienbesiedlung fast schutzlos, denn die Bakterienflora hilft unserem größten Organ dabei, sich gegen krankheitserregende Keime zu verteidigen. Zudem bilden die von Bakterien produzierten Säuren einen wichtigen Teil des Säureschutzmantels.

Neben der Haut ist auch der Darm auf die Mitarbeit der Mikroorganismen angewiesen. Rund 10 Billionen Darmbakterien sind dort als Helfer des darmassoziierten Immunsystems (GALT) aktiv. Sie verdrängen potenzielle Krankheitserreger und trainieren unsere Abwehr rund um die Uhr, damit sie für schädliche „Angriffe“ gerüstet ist. Die guten Darmbakterien sind aber nicht nur für das Immunsystem von Bedeutung, sie unterstützen auch die Verdauung und können giftige Substanzen wie Nitrosamine neutralisieren.

Auch unter den Viren scheint es im Darm bestimmte Typen zu geben, die die Darmflora mitregulieren und das Immunsystem aktivieren können. Die Forschung über den potenziellen Nutzen der sogenannten Phagen steckt jedoch noch in den Kinderschuhen. Gut bekannt ist aber, dass wir durch eine abwechslungsreiche, pflanzenbetonte Ernährung nicht nur unseren Darm, sondern auch die Abwehrkräfte unterstützen können. Insbesondere wasserlösliche Ballaststoffe, wie sie in verschiedenen Obst- und Gemüsesorten vorkommen, dienen den nützlichen Darmbakterien als „Kraftfutter“ und fördern ihr Wachstum. So bleibt die Darmflora in Balance und „Schädlinge“ können besser in Schach gehalten werden.

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